Literaturübersetzungen

Warum meine Literaturübersetzungen bisher nicht publiziert wurden …

Ich komme ursprünglich aus dem Bereich der Fachübersetzung, wo die inhaltliche Spezialisierung wichtig ist, nah am Text übersetzt wird und das in einem Sprachstil, der sachlich, nüchtern und oft sogar formelhaft ist. Literarische Übersetzungen sind dagegen so ganz anders und haben mich schon immer fasziniert. Hier steht die sprachliche Kunst im Vordergrund, ein Werk soll mit all seinen Facetten, Bildern und wortgewandten Feinheiten in eine andere Sprache übertragen werden – und zwar so, dass dem Leser gar nicht auffällt, dass er eine Übersetzung vor sich hat. Zwar ist auch hier ein oft erstaunliches Weltwissen erforderlich, dieses ist jedoch längst nicht so spezialisiert und trocken wie bei einer Fachübersetzung.

Irgendwann habe ich mich darangemacht und aus reiner Neugier und Freude an der Sprache die erste Kurzgeschichte übersetzt, zunächst nur für mich und für die Schublade. Vielleicht würde ihr großer Tag ja irgendwann kommen … Weil es so viel Spaß gemacht hat, folgten im Laufe der Zeit weitere Übersetzungen: Kinderbuchtexte, mehr Geschichten und ein Kurzroman. Eine dieser Kurzgeschichten war im Selfpublishing in Großbritannien erschienen. Ich kontaktierte den Autor in London und schlug ihm vor, einen deutschen Verlag für meine Übersetzung seines Kurzgeschichtenbandes zu suchen. Seine Antwort: „That‘s great! Go for it!“ Ich schrieb viele Verlage an und bekam viele Antworten, durchaus auch interessierte – aber keine Zusage. Es scheiterte letztendlich am Genre Kurzgeschichte und der damit verbundenen eher schwierigen Vermarktung.

Leider werden Literaturübersetzer für ihre wertvolle Arbeit nicht besonders gut bezahlt, sodass sie allein davon meistens nicht leben können. Zudem ist es nicht so einfach, als Übersetzer bei einem Verlag Fuß zu fassen – die Branche ist vergleichsweise überschaubar, und ohne eine Empfehlung zögert so mancher Lektor, sich für ein Buchprojekt mit mehrmonatiger Laufzeit und festem Abgabetermin auf einen ihm unbekannten Übersetzer einzulassen. Literaturübersetzer brauchen also anfänglich Zeit und einen langen Atem, um sich zu etablieren, viel Liebe für die kreative Übersetzung – und leider auch genügend besser bezahlte Projekte für den finanziellen Ausgleich.

Mit der Zeit hapert es bei mir als Kleinunternehmerin derzeit etwas. Mit der Liebe zur kreativen Übersetzung nicht, wenn ich so in meine Schublade schaue …